Interview mit einem Ölhändler

Um besser verstehen zu können, was es bedeutet ein professioneller Ölhändler zu sein, haben wir einen 26-jährigen Ölhändler aus Deutschland interviewt und haben versucht seine Geheimnisse zu lüften.

Wie sind Sie zum Ölhandel gekommen?

Während meiner Studienzeit hat mich das Studieren an sich nicht wirklich interessiert. Was mich fasziniert hat, waren die Finanzmärkte. Wenn ich nicht gerade die Financial Times gelesen, oder grafische Darstellungen analysiert habe, dann habe ich mir Filme wie Wall Street oder Boiler Room angesehen. Ich habe beide Filme mindestens zehnmal gesehen und beschlossen ebenfalls Händler zu werden. Ich habe mit $500 ein Aktienhandelskonto eröffnet, und meinen kompletten Einsatz binnen einer Woche verloren. Ich habe sofort weitere $500 investiert und diese ebenfalls innerhalb von vier Wochen verloren. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass es nicht so einfach ist, wie es in den Filmen dargestellt wird. Ich habe dann ein Übungskonto eröffnet und über einen Zeitraum von zwei Monaten gelernt mit Disziplin zu handeln. Nach dieser Übungsperiode habe ich beschlossen, dass ich nun für einen weiteren Versuch bereit bin und habe $1.000 investiert. Seitdem habe ich kein Geld mehr auf mein Konto überweisen müssen.

Wieviel Zeit verbringen Sie durchschnittlich mit dem Handel?

Hierzu muss ich sagen, dass ich wahrscheinlich 24-Stunden am Tag in den Handel investiere. Ich stehe morgens auf und schalte als erstes meinen Computer ein und beobachte die Kursänderungen der vergangenen Nacht. Dann mache ich mir einen Kaffee und lese den Nachrichtenticker und die Marktanalysen. Selbst wenn ich zum Essen ausgehe oder Sport treibe, habe ich über mein Handy ständigen Zugriff auf die Märkte. Einige Leute mögen mich dafür verurteilen, aber Hey, wenn Ihr Geld auf dem Spiel stehen würde, möchten Sie auch wissen was passiert. Samstag ist mein freier Tag an dem ich Zeit mit der Familie und Freunden verbringe und soviel Abstand vom Handel nehme wie möglich. Am Sonntag bereite ich mich auf die kommende Woche vor und das Ganze geht von vorne los.

Sie haben uns erzählt, dass Sie während Ihrer Studienzeit mit dem Aktienhandel begonnen haben. Wann sind Sie in den Ölhandel eingestiegen?

Der Handel mit Aktien hat sehr viel Spaß gemacht, jedoch war ich immer mehr an den makroökonomischen Nachrichten interessiert und nicht so sehr an spezifischen Unternehmen. Darum habe ich damals viel mit Index-Futures gehandelt. Ich fand, dass meine Stärken eher auf der Forex- und Warenbörse lagen und darum habe ich gewechselt. Es hat etwas gedauert bis ich mich an diese unterschiedlichen Märkte gewöhnt habe und letztendlich habe ich die besten Ergebnisse auf dem Ölmarkt erzielt. Seit jeher, das ist nun ungefähr zwei Jahre her, habe ich mit nichts anderem mehr gehandelt. Mir gefallen die starken Kursschwankungen und konstanten Preisbewegungen, wie sie auf keinem anderen Markt zu finden sind.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Haha…Ich habe gewusst, dass Sie diese Frage stellen würden. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass man hier von einem Geheimnis sprechen kann. Es bedarf an Engagement und guter analytischer Fähigkeiten. Sie müssen Ihre Nische in diesem Markt finden, ansonsten werden Sie genau das machen, was die meisten Händler tun, nämlich Ihr Geld verlieren. Ich glaube mein Vorteil ist meine Fähigkeit den Durchblick über den ganzen Müll an Informationen zu behalten und die Informationen zu finden, die von Bedeutung sind. Wenn Sie sehen, wie viele schlechte Analysen und Vorhersagen von sogenannten Experten veröffentlicht werden, dann verstehen Sie, warum so viele Händler Verluste machen. Ich lese nur die Nachrichten von verlässlichen Quellen und kommuniziere viel mit anderen erfolgreichen Händlern via Skype. In diesem Geschäft dreht sich alles um das Teilen.

Wie gehen Sie mit den Risiken um?

Ich habe für mich selber ein paar einfache Handelsregeln entworfen. Ich riskiere nie mehr als 2% pro Handel. Sollte ich dreimal hintereinander einen schlechten Abschluss gemacht haben, verbiete ich mir selber für diesen Tag weiterzuhandeln. Manchmal spiel der Markt echt verrückt und meine Analysen nützen gar nichts. Bevor ich versuche meine Verluste zurückzugewinnen, sperre ich lieber mein Konto für diesen Tag und hoffe auf ein besseres Morgen. Meine dritte Regel ist, niemals den Stop-Loss, den ich zu Beginne eingetragen habe, zu ändern. Es kann manchmal verführerisch sein den Stop-Loss zu ändern, wenn man denkt der Markt kehrt zu seinem Ausgangspunkt zurück. Wenn jedoch Ihre Emotionen die Überhand gewinnen, dann haben Sie bereits verloren.

Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Möchten Sie den Neulingen dort draußen noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich möchte Ihnen allen viel Glück wünschen. Wenn Sie es wirklich auf diesem Markt zu etwas bringen möchten, dann schaffen Sie das auch. Denken Sie jedoch nicht, dass es eine einfache Variante ist, Geld zu machen. Denn das ist es auf keinen Fall. Es bedarf viel Engagement. Aber sobald Sie es zum gewinnmachenden Händler geschafft haben, ist es der beste Job auf der Welt!

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